Goldener Herbst im Tessin

Das sensationelle Wetter ausnutzend sind wir vom 14. - 17. Oktober erneut mit unserem Bergfreund G. im Tessin unterwegs. Mit dem Wetter haben wir natürlich einfach Glück, sind die vier Tage doch schon vor Wochen abgemacht worden. Tagsüber ist es an allen vier Tagen fast sommerlich heiss, in der Nacht kühlt es hingegen doch recht ab.

1. Tag: Mit der Seilbahn fahren wir hoch von Lumino auf die Monti di Saurù, von wo aus wir über die Alpi Domàs, Motto und Gagèrn auf den Passo di Mem steigen. Hier folgen wir dem Höhenzug in Richtung Süd-Ost bis zum Piz de Molinera, wo wir die grandiose Aussicht geniessen. Unser Tagesziel - die Capanna Brogoldone - haben wir bereits unter uns.

2. Tag: Noch vor Sonnenaufgang machen wir uns erneut auf den Weg zum Passo di Mem - diesmal auf dem direkten Weg. Wir wechselen auf der Passhöhe die Talseite und wandern ein kurzes Stück im Kanton Graubünden über dem Calancatal. Doch schon bald - nun auf blau-weiss markiertem Weg - verlassen wir das Calancatal wieder beim Namenlosen Punkt 2577 und nehmen die lange und abwechslungsreiche Querung über der Tessiner Riviera unter die Füsse. Hier erwartet uns Schutt, Geröll, Blockfelsen, schmale und ausgesetzte Bänder, aber auch schönste Terrassen. Kurz unterhalb der Bocchetta di Pianca Geneura stossen wir auf den über diese führenden Wanderweg, dem wir nun bis zur Alpe d'Örz folgen. Mit schon einigen Stunden Marsch in den Beinen nehmen wir noch den Passo del Mauro unter die Füsse, der uns zu unserem Tagesziel, der Capanna Cava leitet.

3. Tag: Nach dem Gewaltsmarsch am Vortag lassen wir den Montag gemütlich angehen. Wir steigen auf dem Normalweg ins Val Pointirone ab und auf der anderen Talseite über Fòpa und Fontana nach dem wunderschön gelegenen Mazzorino hoch. Hier bunkern wir Wasser, da es an unserem Etappenziel - dem Rifugio Biasagn - im Herbst kein fliessendes Wasser mehr hat. Das Rifugio trohnt über dem Val Pontirone und wird von früher Morgen- und später Abendsonne verwöhnt. Einige neugieriger Ziegen wundern sich über unsere Anwesenheit.

4. Tag: Bei Sonnenaufgang steigen wir auf einer doch deutlichen Wegspur zur Senke zwischen der Cima di Biasagn und dem Pizzo Muncréch hoch. Ab hier folgen wir - teils recht luftig und mit etwas Kletterei dem Grat westwärts, bis wir den Pizzo Munchréch erreichen. Es gibt da schon die eine oder andere Stelle, die Paul und mir das Fürchten lehrt. Geplant ist, nun den Piz Munchréch südlich zu umgehen und nach Solgone abzusteigen. Aber Paul ist die Route dann doch zu ausgesetzt und so entscheiden wir kurzerhand, weglos nach Norden ins Val Biasagn abzusteigen. Das ist ja vielleicht mühsam! Zwar weniger steil als auf der Südseite, aber zugewachsen mit Alpenrosen, die mir permanent ins Gesicht peitschen! Dennoch sind G. und Paul ganz erstaunt, wie gut ich es schaffe. Auf etwa 1800 m stossen wir auf einen guten Jägerpfad, dem wir nun bis Ör delle Betulle folgen. Von hier führt uns der Pfad dem Rücken nach Norden folgend bis hinunter zur Staumauer des Bacino di Val Malvaglia. Nun folgen wir dem Wanderweg hinunter ins Bleniotal. Zuletzt muss Paul mich noch etwas tragen. Nicht weil ich nicht mehr kann, sondern der vielen Kastanien wegen die am Boden lagen und mir mir in die Pfoten stechen. In Malvaglia steigen wir nach gut 2000 Höhenmeter Abstieg erschöpft in den Bus.

Mittwoch, 18. Oktober 2017

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