Il Torrione di Valsolda

Der Wonnemonat Mai fühlt sich bisher – zumindest auf der Alpennordseite – eher wie April an. Bei uns schneit es immer wieder bis nahe ans Dorf herab. Wir fliehen deshalb am 20. Mai einmal mehr in den Süden, da gibt es heute einen sonnigen Tag. Wieder einmal fahren wir ins Val Colla, brauchen es aber mehr oder weniger nur als Einstieg ins südlich davon gelegene Valsolda. Wir wandern von Cimadera auf bekanntem Pfad hoch zum Passo Pairolo, wo wir ganz ohne Impfung, Test, Zertifikat und anderem Corona-Brimborium zwanglos nach Italien wechseln. Kaum machen wir uns an die Querung zur Alpe di Dasio, flieht schon eine grosse Rotte Wildscheine wie ds Bisiwätter im Wald davon. Besser wir begegnen denen nicht allzu nahe. Nach der Alpe di Dasio besteigen wir den höchsten Punkt der Cime di Noga und wechseln dann via Mascossa zum Sasso di Mont, einem eindrücklichen Felszahn hoch über dem Luganersee. Nun steigen wir ein paar Höhenmeter zurück, um dann den schönen Weg zur Alpe Mapel unter die Füsse zu nehmen. Von hier geht es recht steil hoch bis zum Monte Pradè, wo wir eine ausgiebige Pause machen und die warme Sonne geniessen. Jetzt erwartet uns das steilste Stück: der Aufstieg zum Torrione. Unglaublich stotzig geht es hoch über eine Grasplangge. Zum Glück ist das unscheinbare Weglein gut gestuft. Die Schlüsselstelle kommt dann aber im Abstieg. Wir müssen nämlich eine fast senkrechte Felsstufe überwinden. Für die Zweibeiner hat der Wegbauer als Kletterhilfe ein geknotetes Seil angebracht, aber das nützt mir natürlich gar nichts. Ausserdem hat Paul weder mein Gstältli noch die Reepschnur dabei, um mir zu helfen. So steigt er halt eine Körperlänge ab und hebt mich dann zu sich hinunter. Das wiederholen wir noch ein zweites Mal. Die letzte Körperlänge stürze ich mich schliesslich wagemutig kopfüber in die Tiefe. Wäre es noch ein kleines bisschen steiler gewesen, hätten wir wohl umkehren müssen. Nun queren wir zur Cima di Fojorina und sind damit wieder an der Schweizer Grenze angekommen. Dieser folgen wir gen Westen und steigen dann weglos durch den lichten Buchenwald hinunter auf die Fahrstrasse, die uns nach Cimadera zurückführt. Das Valsolda ist schon eine raue und eindrückliche Gegend. Wir sind erstaunt über die gute Qualität der Markierungen der Wanderwege. Die Wege sind zwar gerade in den Buchenwälder nicht immer so ganz gut sichtbar, aber dank der vielen Wegzeichen ist die Navigation nie ein Problem. Insgesamt eine herrliche und abwechslungsreiche Tour mit für den Frühling untypischer Fernsicht weit über die ausnamsweise dunstfreie Poebene hinaus bis zum Apennin.

Freitag, 21. Mai 2021

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