Pizzo di Claro

Schon zweimal waren wir auf dem Pizzo di Claro (2020 und 2021). Beim Abstieg zur Alpe di Peurett sind Paul damals die Markierungen des Berglaufs Claro Pizzo 2500+ ins Auge gestochen. Das hat ihm keine Ruhe mehr gelassen. Natürlich haben wir kein Interesse daran, diesen Berglauf mitzumachen. Wir täten schon beim ersten Kontrollpunkt wegen Zeitüberschreitung ausscheiden. Aber ob wir es wohl überhaupt schaffen würden, von der Riviera aus zum Pizzo di Claro hochzusteigen? Am 8. Juli 2022  wollen wir es ausprobieren. Die Bedingungen sind ideal, schönstes Wetter und dank Nordföhn recht trockene Luft und ein kühlender Wind. Wir starten kurz nach 5 Uhr in Claro-Scubiago. Hier bescheissen wir ein wenig, denn der offizielle Startpunkt wäre nämlich etwa 10 Höhenmeter weiter unten bei der Hauptstrasse 😊. Es ist vor allem im Wald noch fast dunkel und Paul kann nur ganz knapp ohne Stirnlampe loslaufen. Wir bleiben bis zum Gipfel nun auf der mit orangen Dreiecken und Täfelchen gut markierten Strecke des Berglaufs. Alle 250 Höhenmeter kommt zusätzlich noch eine Tafel, die einem daran erinnert, was man schon geschafft hat. Bis hinauf in die Gegend von Benz ist die Steigung ganz angenehm, danach wird es deutlich steiler. Richtig in die Sonne kommen wir erst nach gut vier Stunden Aufstieg auf der Alpe di Canèe, aber heute bin nicht nur ich froh, können wir so lange im Schatten laufen. Dennoch sind auch bei Sonnenschein die Temperaturen angenehm. Beim Schlussaufstieg hinauf zum Gipfel müssen wir dann doch noch etwas beissen, aber eigentlich schaffen wir diese 2500 Höhenmeter erstaunlich gut und leicht. Während aber die schnellsten Bergläufer den Gipfel in etwas über anderthalb Stunden erreichen, benötigen wir knapp sechs Stunden dafür! Aber das stört uns nicht, sind wir beim Blick zurück zur Riviera doch mächtig stolz, überhaupt diesen langen Aufstieg geschafft zu haben. Bis hierher ist uns kein Bein begegnet, und auch den Gipfel haben wir ganz für uns. Nun nehmen wir uns Zeit, die tolle Rundumsicht zu geniessen, welche der Pizzo di Claro bietet. Kein Wunder wird er so gerne und oft bestiegen! Heute ist die Sicht für einen Sommertag aussergewöhnlich gut. Dank des Nordföhns sehen wir nämlich bis weit in die Poebene und in die Westalpen hinunter, und auch die Berge in der Nachbarschaft sind zum Greifen nah. Nach einer halben Stunde vertreibt uns aber der Wind dann doch, weil trotz Sommertag ist der Nördföhn in der Höhe halt ein eher kühler Wind. Nach diesem Gewaltsaufstieg nehmen wir die kürzestmögliche Route für den Abstieg unter die Füsse und peilen die Seilbahn bei Landarenca an. Da der nächste erreichbare Bus in Selma aber erst um 16:15 Uhr fährt, haben wir massig Zeit. Wir steigen deshalb sehr gemütlich zum Fusse des Pizzo di Claro ab (der Abstiegsweg ist auch nicht in einem besseren Zustand als der Schlussaufstieg), und schlendern danach ganz gemächlich über die schönen Alpen Stabveder und Rossiglion. Der Weg ist dort eher schlecht sichtbar und auch die Markierungen sind ureselalt und oft kaum mehr auszumachen. Aber andere Wanderer haben mit vielen Steinmännli ausgeholfen, so dass man sich gut zurecht findet. Bei der Alpe die Rossiglion steht wie schon vor drei Jahren, als wir auf unserer Tour de Suisse bereits einmal hier vorbei gekommen sind, eine Mutterkuhherde im schönen Offenstall. Wir machen einen grossen Bogen um sie herum und kommen kurz darauf in den Lärchenwald, worüber wir ganz froh sind, denn inzwischen ist es doch recht warm geworden. Für den Schlussabstieg wählen wir diesmal das interessante Weglein hinunter nach Cant. Schliesslich erreichen wir Landarenca und wollen eigentlich die letzten Höhenmeter mit der Bahn hinunter schweben. Aber inzwischen bläst der Nordföhn dermassen stark, dass wir das lieber sein lassen und halt noch das schmale Fahrsträsschen hinunter zum Talboden laufen. Dass die hier in dieses fast senkrechte Gelände überhaupt so ein Strässchen haben bauen können, ist fast ein Wunder! Nach fast genau 10 Stunden treffen wir jetzt doch recht müde in Selma ein. Ehrlich gesagt, ist der Aufstieg von der Riviera hinauf bis zur Alpe di Peurett wenig ansprechend. Man läuft im Wald und sieht wenig. Danach war's aber eine sehr schöne Tour bei herrlichem Sommerwetter.

Freitag, 08. Juli 2022