Noch lässt der Schnee im Süden auf sich warten. Wir fahren am 17. Dezember 2024 – erneut mit unserem befreundeten Rudel – noch halb im Dunkeln mit der Seilbahn hinauf nach Mornera. Bis wir oben sind, ist es dann genug hell, um auch im Wald genug sehen zu können. Unser Ziel ist der Gaggio. Diesen Gipfel haben zumindest Fidel, Pedro und ich noch nie bestiegen. Wir peilen ihn im Anstieg nun auf kürzestem Wege an und steigen via In Pciagn de Nar auf dem Normalweg hinauf zur Capanna Albagno. Kurz verlassen wir den offiziellen Wanderweg, um die kleine, zum Ausstieg der Via ferrata dei tre signori führende, Variante auszuprobieren. Danach stossen wir nun bis kurz nach der Capanna Albagno immer wieder auf Schnee. Vorübergehend montieren Esther und Paul gar noch ihre Eisen, wir Hundis behelfen uns mit unseren Krallen. Nach der Hütte wird die Lage wieder sonniger und der Schnee weniger. Überhaupt ist der Morgen wieder prächtig und in der Höhe gar für Mitte Dezember ungewöhnlich mild. Die Sicht reicht bis weit zu den Ligurischen Alpen hinunter, und der an einen Vulkan erinnernde Monte Viso ist in 200 km Entfernung klar sichtbar wie selten – einem schwachen Nordföhn sei Dank! Nun steigen wir auf nicht gar so schönem Weg noch die letzten knapp 400 Höhenmeter an zum Gipfel des Gaggio. Oben setzen wir uns in den Windschatten und geniessen die tolle Fernsicht. Dass wir Mitte Dezember noch so völlig problemlos eine Höhe von über 2200 Metern erreichen, ist schon nicht gerade jedes Jahr der Fall. Von Süden her ziehen nun allerdings immer mal wieder hohe Wolken vor der Sonne durch, einigermassen warm bleibt es aber trotzdem. Der Abstieg erfolgt bis zum Punkt 1873 auf der gleichen Route, wo wir dann aber Pedros Angststrecke zur Alpe Erbea hin einschlagen. Auf diesem Abschnitt wurde er im Mai 2022 von einer Schlange gebissen und ist fast daran gestorben. Heute sind aber keine Schlangen in Sicht, der Weg ist in gutem Zustand und wir finden kurz vor der Alpe Erbea sogar noch eine Abzweigung, die uns auf einen Weg leitet, welchen wir letztes Mal hier nicht gesehen haben. Der erspart uns – zwar stotzig, aber gut herausgeputzt – knapp 200 Höhenmeter steilen und weglosen Abstieg über eine Grasplangge. Eingezeichnet ist der Weg hier ganz hinten im Valle di Sementina auf der Karte zwar nur abschnittsweise, allerdings ist er in gutem Zustand und folgt einer Kette von mehreren Wasserfassungen, denen dieser Weg wohl seine gute Qualität zu verdanken hat. Ab dem Einstiegspunkt zum oben erwähnten Klettersteig wir der Weg dann deutlich breiter, so dass wir nun im Sauseschritt der Bergstation der Mornera-Seilbahn zueilen können, die wir schliesslich erreichen, als es schon wieder anfängt zu dämmern. Unterwegs kein Bein getroffen! Mal abgesehen von der gelegentlichen Gämse, die uns Hundis gefoppt hat. Eine herrliche Tour an einem wettermässig grossteils sonnigen Tag, der uns temperaturmässig so gar nicht im Winter wähnen lässt. Ob es die letzte Bergtour war in diesem Jahr?