Kurz nach unserer letzten Wanderung habe ich mir leider wieder mal eine Kralle gerissen. Diesmal ist sie allerdings nicht nach wenigen Tagen von selbst abgefallen und schnell wieder nachgewachsen, sondern das Krallenbett hat sich dermassen entzündet, dass mir die Kralle schliesslich operativ entfernt werden musste. So kam ich in den 'Genuss' meiner ersten Narkose. Nun aber ist das Krallenbett wieder mit einer kleinen Kralle zugewachsen, so dass wir am 15. Dezember 2025 eine Wanderung wagen können. Um es nicht zu übertreiben, soll es etwas Kurzes in unserer Gegend sein. Als wir im April dieses Jahres vom Sevelerberg nach Tscherlach gelaufen sind, hat Paul kurz vor Verachta einen Wegweiser mit der Aufschrift 'Casalta' gesehen. Wieder zu Hause hat er dazu die Karte konsultiert. Casalta hat er darauf zwar gefunden, aber einen Weg, der Verachta mit Casalta verbindet, ist auf der Karte keiner eingezeichnet. Aber wo ein Wegweiser ist, müsste doch auch ein Weg zu finden sein, oder? Heute wollen wir das abklären. Wir starten – knapp unter der Hochnebeldecke – in Tscherlach und wollen auf Forststrassen direkt hinauf nach Casälla laufen. Gleich ausgangs Dorf tauchen wir in den Nebel ein und verlieren auch schon die erste Forststrasse, weil sie dermassen zugewachsen ist. So kämpfen wir uns halt durch übles Gebüsch steil hinauf zur nächsten Strasse. Die ist zumindest erst mal in einem etwas besseren Zustand, aber auch hier müssen wir uns zum Schluss eine Schneise durch die Botanik erkämpfen, um Casälla zu erreichen. Hier stossen wir auf einen Wanderweg, dem wir bis hinauf nach Verachta folgen. Irgendwo zwischen 700 und 800 Höhenmeter lassen wir den Nebel unter uns. Hier oben ist das Wetter herrlich, wenn wir auch meist im Berg- oder Baumschatten unterwegs sind. An Verachta laufen wir vorbei und finden, gleich bevor der Wanderweg in Richtung Bruch anfängt zu steigen, den Wegweiser nach Casalta. Ein offizieller Wegweiser ist das nicht, aber die Spitze ist dennoch blau markiert. Was erwartet uns hier wohl? Wir steigen auf zwar schmalem, aber deutlich sichtbarem Weg in gelegentlich recht stotzigem Gelände leicht ab. Erstaunlicherweise ist der Weg sogar mit blauen Strichen und Punkten markiert. Um die sind wir auch mal recht froh. Es gibt nämlich eine Passage, wo das Gelände deutlich weniger steil, dafür kleinräumig zerklüftet ist. Hier ist der Weg alles andere als klar ersichtlich, so dass wir uns gerne an den Markierungen orientieren. Ohne grössere Probleme erreichen wir schliesslich die Jägerhütte bei Punkt 1042. Also schwierig war das jetzt gewiss nicht. Wenn wir auch durchaus Abschnitte gegangen sind, wo man besser nicht ausrutschen sollte, so sind wir schon oft weiss-rot-weiss markierte Wege gegangen, die deutlich anspruchsvoller waren. Bei der Jägerhütte treffen wir auf eine ältere Dame, die das Seeztal mit Alphornklängen beglückt! Respektive sie kämpft mit ihrem klein verstaubaren und leichtgewichten Karbon-Alphorn gegen den Lärm der Autobahn an, der vom Tal herauf schallt… Im Abstieg hinunter in Richtung Berschis stossen wir auf einen nun deutlich besseren Weg, der allerdings auf ca. 970 Meter in eine Forststrasse übergeht. Der kann man nun folgen. Oder aber man nimmt die Abkürzungen (wahrscheinlich der alte Weg), und kann so die Forststrasse auslassen bis auf ca. 800 Meter hinunter, was wir natürlich machen. Kaum haben wir diese Strasse dann doch erreicht, tauchen wir auch schon wieder in den Nebel ein. Auf Naturstrassen erreichen wir nun geschwind wieder Tscherlach. Nur gerade 4 Stunden waren wir unterwegs. Aber nachdem wir nun einen Monat lang nur ganz kurze Spaziergänge gewagt haben, war das eine gute Wiedereinstiegstour. Die Kralle hat gehalten!