Es gibt schon noch grosse Täler, denen wir noch gar nie einen Besuch abgestattet haben. Am 11. August 2025 wollen wir mal so eines besuchen, nämlich das Valser Tal, ein Seitental des Val Lumnezia, welches wiederum ein Seitental des Vorderrheintals ist und demnach im Kanton Graubünden liegt. Wir fahren so weit wie möglich ins Tal hinein. Oberhalb des Zervreilasees – beim Chappeli – finden wir den letzten Parkplatz, bevor die Strasse von Autos nicht mehr befahren werden darf. Es soll ja heute sehr heiss werden, und so kommt es uns ganz gelegen, dass bereits unser Startort auf fast 2000 Meter Höhe liegt. Kurz nach 6 Uhr laufen wir los, und steigen im Bergschatten via Guraletschsee bis zur Fanellgrätlilücke (Punkt 2711) auf. Es ist noch ruhig um diese Zeit. Zwei Leute liegen gleich neben dem Weg in ihren Biwaksäcken und schlafen noch, am See warten drei Jungs auf den Sonnenaufgang und kurz vor der Lücke kommt uns ein Bergläufer entgegen, der wohl noch früher aufgestanden ist als wir. Den beiden Mutterkuhherden hier oben kommen wir nicht in die Quere, denn sie weiden weit entfernt vom Weg. Bis zum Guraletschsee ist der Weg ausgezeichnet und noch nicht einmal steil, danach wird er teilweise etwas stotziger und vor allem oft verblockt. Immerhin ist er gut markiert, so dass wir in den Blockfeldern immer einen guten Durchschlupf finden. Auf der Fanellgrätlilücke treten wir endlich definitiv in die Sonne. Obwohl noch recht früh, ist es schon ziemlich warm hier, und es scheint gar nicht kühler zu werden, je höher wir steigen. Bis hierher waren wir auf einem Bergwanderweg unterwegs, der weitere Anstieg zum Fanellhorn soll nun aber ein Alpinwanderweg sein. Wir folgen den weiss-blau-weissen Markierungen – sie sind wohl erst in diesem Jahr erneuert werden – bis zum Gipfel. Schwierig ist der Anstieg nirgends und man kann sich fragen, ob die Einstufung als Alpinwanderweg wirklich gerechtfertigt ist. Er verläuft auch nicht genau da, wo er auf der Karte eingezeichnet ist. Nach einer ersten kurzen Traverse auf noch gutem Weg, gerät man in ein Blockfeld, wo kein Weg sichtbar ist. Es ist aber unschwierig zu queren. Anfangs ist der Weg noch kurz steil, im Mittelstück nimmt die Steigung aber ab und die Qualität des Weges zu. Nur der kurze Gipfelaufschwung ist nochmals etwas steil und mühsam. Insgesamt ist das Fanellhorn ein 3000er, der wirklich leicht zu bezwingen ist, ähnlich vielleicht dem Schwarzhora beim Flüelapass. Entsprechend wird es wohl auch viel angelaufen. Heute können wir aber von der Fanellgrätlilücke bis zum Gipfel und zurück steigen, ohne auch nur ein Bein anzutreffen. Auf dem Gipfel machen wir eine längere Pause. Man könnte erwarten, dass es einem in dieser Höhe irgendwann zu kühl wird, aber heute ist das definitiv nicht der Fall. Hingegen ballen sich um die südlich gelegenen Nachbargipfel immer mehr Wolken. Da Paul fürchtet, dass auch das Fanellhorn demnächst in Wolken gepackt wird, machen wir uns dann doch gelegentlich an den Abstieg. Der Gipfel soll übrigens eine phänomenale Aussicht bieten. Heute ist die Luft leider etwas gar dunstig, so dass wir nur gerade die Berge in der Umgebung klar sehen. Mit Fernsicht ist nicht viel los. Hinunter geht es bis zum Punkt 2260 auf dem gleichen Weg, jetzt aber die ganze Strecke im Sonnenschein. Und jetzt kommen uns doch einige Leute entgegen. Auch am Guraletschsee tummeln sich schon etliche Touris. Dafür bleiben aber auch die Kühe dem Wanderweg immer noch fern. Beim Punkt 2260 schlagen wir den nördlichen Weg ein und stossen schon bald auf den Wanderweg, der von Gross Guraletsch her zum Chappeli führt. Der ist recht schön und erlaubt noch ein letztes Genusswandern, bevor wir wieder beim Auto eintreffen. Hier oben meldet sich übrigens schon der Herbst an, das Gras wird teilweise schon orange und auch die Heidelbeerbüsche fangen an, sich zu verfärben. Das war jetzt mal eine etwas kürzere Tour, die uns dafür weit höher hinauf geführt hat, als wir die letzten zwei Jahre waren. Schön war's!