Der 29. September 2025 lockt uns mit schönstem Herbstwetter ins den Süden. Zwar hat es auch auf der Alpensüdseite jetzt einen ersten Wintereinbruch gegeben, aber wir wollen dennoch endlich einmal den Pilone im Onsernonetal besteigen. Bei bereits herrlichem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen starten wir in Spruga, der letzten Ortschaft dieses wilden Tales. Schon im Dorf geht es steil den Berg hinauf. Bis Piansecco bleibt es stotzig, der Weg ist aber zum Glück meist gut gestuft. Bei Al Tabíd empfangen uns gleich mehrere Herdenschutzhunde laut bellend und mit gefletschten Zähnen. Wären wir nicht durch einen Zaun voneinander abgetrennt, täten die mich sicher zerfleischen! Ab Piansecco lässt die Steigung nun etwas nach, und wir steigen angenehm und gemütlich durch lockeren Wald hinauf zur Alp Al Pescéd. Hier weidet eine Herde Ziegen – zum Glück ohne Schutzhunde. Alleine sind sie aber nicht, denn beim Alpgebäude steigt Rauch aus dem Kamin, der Hirte ist also wohl anwesend. Nun verlassen wir den Wanderweg, denn wir wollen noch den Munzzelümm übersteigen. Der Pilone kommt nun in Sicht, und es ist eigentlich schon jetzt klar, dass wir den für heute vergessen können, denn es liegt dort oben einfach allzu viel Schnee. Auch wir laufen nun mehr und mehr im Schnee. Noch bevor wir den höchsten Punkt des Munzzelümm erreichen, ist die Schneedecke schon praktisch geschlossen. Hübsch anzuschauen, aber grad für mich anstrengend zu gehen. Nachdem wir ca. 40 Höhenmeter nordwärts abgestiegen sind, getrauen wir uns nicht mehr weiter. Der bis anhin breite Rücken geht jetzt nämlich in einen Grat über und wird ziemlich steil. Bei diesen Verhältnissen wollen wir das Risiko eines Absturzes nicht eingehen und drehen um. Um nun nicht ganz bis nach Al Pescéd absteigen zu müssen, steigen wir bei der erstbesten Gelegenheit steil aber schneefrei direkt hinunter zum Wanderweg. Dort treffen wir auf den ersten anderen Wanderer, den wir heute sehen. Ein junger Mann ist hier mit seinem Hund unterwegs. Gemeinsam steigen wir nun hinauf zum Übergang Al Pièng di Cunch – auch der schneebedeckt. Auf dem Weg hinunter zum schönen Laghetto dei Saléi kommen uns plötzlich ziemlich viele Wanderer entgegen, nicht wenige davon ebenfalls mit Hund. Was ist den hier los? Wir haben an einem Montag und in dieser Jahreszeit hier oben eine einsame Gegend erwartet! Des Rätsels Lösung: Die Seilbahn aus dem Vergelettotal, die zieht natürlich ziemlich viel Volk an. Daran hat Paul nicht gedacht. Aber jä nu, wir lassen uns den schönen Tag nicht verderben. Beim Kreuz bei der Capanna Salei, die auch schon gut besucht ist, machen wir endlich eine längere Pause. Weil erst gerade Mittag ist, besteigen wir noch den Gupf Al Pizz Zücru, der uns eine herrliche Sicht in die schneebedeckten Berge bietet. Nun machen wir uns an den Abstieg zurück ins Onsernonetal, noch einmal vorbei an der nun gestossen vollen Beiz der Capanna Salei. Der Weg führt uns auf die rechte Seite des Val Lavadina und damit leider auch bereits in den Bergschatten. Wir sind aber schon bald in Ligünc, wo wir wieder in den Sonnenschein treten. Nun geht es nochmals steil und gestuft hinunter zur Strasse, der wir zurück nach Spruga folgen. Obwohl wir unser eigentliches Ziel – den Pilone – nicht erreicht haben, und obwohl in der Salèi-Gegend doch arg viele Leute unterwegs waren, war das ein ganz herrlicher Tag! Dennoch hoffen wir, dass der Schnee wieder wegschmelzen wird, und wir noch ganz viele schöne Herbst- und Winterwanderungen auch nochmals in höheren Regionen unternehmen können.