Piz Daint

Seit wir im September 2019 anlässlich unserer West-Ost Tour de Suisse am Piz Daint vorbei gelaufen sind, steht der auf Pauls Wanderwunschliste. Obwohl es die letzten Tage doch recht weit hinunter geschneit hat, wollen wir ihn am 6. September 2025 besteigen. Bei frostigen -1° starten wir noch vor 8 Uhr morgens auf dem Ofenpass. Dafür scheint hier oben bereits die Sonne, die uns den ganzen Tag über erhalten bleiben soll. Die ab Mittag angekündigten Schleierwolken, zeigen sich zwar in der Ferne, kommen aber nicht voran und trüben somit bis wir in Tschierv in den Bus steigen keinen Moment den wärmenden Sonnenschein. Die Berge sind ganz leicht eingezuckert, das bisschen Neuschnee soll uns aber keine Probleme bescheren. Wir steigen den Piz Daint direkt an, erst auf gutem Erdweg, bald schon aber in Schutt und Geröll. Der Weg ist aber gut heraus gearbeitet und wird wohl auch häufig begangen, so dass er vom gröbsten Schutt befreit ist, worüber meine Pfoten dankbar sind. Ab dem Punkt 2650 steigen wir sogar meist auf feinem Kies mühelos dem Gipfel entgegen. Der Piz Daint ist ein Fast-3000er, der wirklich ohne jede Schwierigkeiten bestiegen werden kann, weswegen er auch stark frequentiert ist. Heute Morgen haben wir den Gipfel aber für uns alleine. Trotz gewaltiger Rundumsicht – südöstlich überschauen wir die Ortlergruppe (zu welcher der Piz Daint ebenfalls gehört) und südwestlich blitzen die Gletscher der Berninagruppe in der Morgensonne – machen wir keine allzu lange Pause auf dem Gipfel, denn es ist doch immer noch arg frisch in dieser Höhe. Der Abstieg hinunter zur Senke bei Punkt 2682 ist zumindest für Paul etwas unangenehm: lotterig und ziemlich steil. Während wir absteigen beäugt Paul immer wieder den gegenüberliegenden Steilaufschwung zum Punkt 2854, wo der zum Piz Dora führende Grat beginnt. Angedacht ist nämlich, auch noch diesen Gipfel zu bezwingen. Aber dieser Aufstieg sieht fürchterlich stotzig und verblockt aus, so dass Paul schon daran denk, allenfalls über den von Westen zum Punkt 2854 hochziehenden Rücken anzusteigen. Der sieht nämlich deutlich anspruchsloser aus. Allerdings können wir im Abstieg zum Punkt 2682 beobachten, wie auf der gegenüberliegenden Seite jemand diesen unmöglich zu bezwingenden Grat gerade absteigt. Demnach kann es ja nicht sooo schlimm sein. Kurz vor der Senke treffen wir auf diesen Wanderer. Der meint, dass dieser Steilaufschwung deutlich gfürchiger aussähe, als er tatsächlich wäre. So machen wir uns also doch daran, direkt zum Punkt 2854 anzusteigen. Und tatsächlich, je näher man kommt, desto harmloser sieht das Ganze aus, so dass wir schliesslich den Grat zum Piz Dora ohne grössere Schwierigkeiten erreichen. Paul hat mir sogar mein Gstältli angezogen, damit er mir unterwegs besser über hohe Tritte helfen kann, was – wie sich zeigt – völlig überflüssig war, denn ich brauche seine Hilfe kein einziges Mal. Der Anstieg ist wohl nur wenig anspruchsvoller als z.B. der Gipfelaufbau des Pizzo di Claro. Nun folgen wir dem Grat bis zum Piz Dora. Auch hier ist gelegentliche leichte Blockkletterei angesagt, aber problematisch ist diese auch auf diesem Abschnitt nirgends. Ist einmal der Punkt 2935 erreicht, liegen die Schwierigkeiten hinter einem. Der Piz Dora ist von dieser Seite ein unspektakulärer Gupf, der aber ebenfalls eine tolle Aussicht bietet. Inzwischen ist es nun aber doch deutlich wärmer geworden, so dass wir hier eine längere Pause einlegen. Nun folgen wir dem gut sichtbaren Wanderweg hinunter in Richtung Lai da Chazforà. Den müssen wir allerdings nicht unbedingt von nahem sehen, und so warm, dass ich unbedingt noch einen Schwumm machen müsste, ist es nun auch wieder nicht. So lassen wir diesen kleinen See aus und folgen einer unscheinbaren Abkürzung, die uns direkt zum Wanderweg hinunter nach Tschierv leitet. Der ist nun gut ausgetreten und schön zu begehen. Bei Funtauna Grossa müssen wir uns noch um eine Mutterkuherde herum mogeln und erreichen danach die nach Fuldera hinunter führende Fahrstrasse. Die verlassen wir aber schon bald wieder, um durch den Wald auf gutem Weg direkt nach Tschierv abzusteigen. Eine herrliche, aussichtsreiche Tour bei prächtigem Spätsommerwetter! Und obwohl es Samstag ist und die Bedingungen besser nicht sein könnten, begegnen uns gerade mal zwei Leute unterwegs...

Samstag, 06. September 2025