Stockji

Nach der Gewaltstour vom letzten Sonntag haben wir im Val d'Entremont einen Ruhetag eingelegt. Am 26. August 2025 wollen wir aber nochmals eine Wanderung im Wallis unternehmen. Damit die Heimreise nicht so gar lange wird, fahren wir frühmorgens das Wallis hinauf ins Goms bis nach Münster. Hier laufen wir erst mal über die Rhone (oder Rotten, wie der Fluss im Oberwallis ja eigentlich heisst) und steigen nun direkt zum Stockji auf. Bis zum Alpgebäude (oder ist es eine Jägerhütte?) bei Raifte ist der Weg deutlich ausgeprägt und wenig steil. Hier wird offenbar auch viel gefahren, sind doch mehr Bergvelo- als Fussspuren sichtbar. Wir sind aber früh und somit alleine unterwegs. Bei Reifte treten wir endlich aus dem Bergschatten. Heute ist es eine Spur wärmer als am Sonntag, immer noch aber recht angenehm. Nun erreichen wir einen Rücken, der mit zunehmender Höhe immer mehr abflacht. Je höher wir steigen, desto weniger sichtbar ist der Weg. Aber das spielt hier keine Rolle, denn das Gelände ist übersichtlich und offen, und immerhin ist immer wieder eine nächste Markierung sichtbar, die wir jeweils anpeilen. Zum Schluss schwingt sich das Stockji deutlich steiler noch etwas über hundert weitere Höhenmeter auf, die wir ebenfalls unschwierig erklimmen. Was für ein völlig anderer Charakter dieser Anstieg hat im Vergleich zum Anstieg zur Cabane de Valsorey! Und obwohl man hier nicht direkt am Fusse eines Viertausenders unterwegs ist, bietet sich uns dennoch ein schönes Bergpanorama. Angeplant ist ja eigentlich der Abstieg via Teifschlüechtsee und Merezebach-Tal. Aber gegen Südwesten hin auf der anderen Seite des Hobach-Tals zeigt sich ein ebenso schöner Rücken wie der, den wir eben bestiegen haben. Der gluschtet Paul weit mehr als ein Talweg. Zwar soll es gemäss Karte dort nur vereinzelte Wegspuren geben, aber dieser Rücken ist ebenfalls mehr oder weniger frei von störendem Bewuchs und sollte eigentlich leicht zu erreichen sein. Der Abstieg hinunter zum Sattel zwischen den beiden Seen Seewe und Teifschlüechtsee ist steil, bietet aber keine Schwierigkeiten. Allerdings weiden beim Seewe einige Rinder. Hier oben ist das Gelände weit und offen, so dass wir an denen gut vorbei kommen, ohne dass sie überhaupt von uns Notiz nehmen. Wir peilen die Einsattelung zwischen den Punkten 2589 und 2573 an, die leicht zu erreichen ist. Nun folgt ein herrliches Genusswandern diesen langen Rücken hinunter. Es zeigt sich, dass hier offenbar früher mal ein offizieller Wanderweg verlief, denn wir finden immer wieder fast kaum mehr sichtbare Bergwegmarkierungen. Und bei den zwei Abschnitten, wo es durch kleine Blockfelder geht, wurde sogar Wegarbeit geleistet, so dass wir ring absteigen. Allerdings nimmt der Bewuchs nun doch zu. Meist findet sich aber eine kleine Wegspur, die uns immer weiter hinunter durch das Heidelbeergestrüpp leitet, bis wir den Punkt 2113 erreichen. Hier nun verhindert dichter Wacholder ein Weiterkommen, weswegen wir den auf der Karte eingezeichneten Weg hinunter zum Alpgebäude bei Chäller suchen und finden. Unterhalten wird der offensichtlich nicht, denn er ist arg zugewachsen, hier leider auch mit Erlen- und Weidenbüschen. Wir schlagen uns aber durch, denn immerhin ist er überall (noch) deutlich zu sehen. Nun folgen wir für ein paar Meter der Fahrstrasse, die nach Münster hinunter führt. Hier kommen uns zwei Bergvelofahrer entgegen, die einzige Begegnung mit anderen Leuten auf dieser Tour, bis wir wieder die Rhone-Ebene erreichen. Diese Fahrstrasse verlassen wir schon bald wieder, und schlagen einen sauber herausgeputzten, aber ziemlich steilen Weg ein, der uns über den Punkt 1641 zur Abzweigung bei der Witschlüecht führt. Nun folgen wir einem schönen Waldweg, bis wir die Fahrstrasse nach Äbmete erreichen, der wir bis nach diesem Maiensäss folgen. Hier treffen wir wieder auf die Aufstiegsroute und sind schon bald zurück in Münster. Obwohl technisch deutlich anspruchsloser als die Tour zur Cabane de Valsorey, hat uns das heute sehr gefallen! Auch im Oberwallis könnten wir noch lange verweilen, ohne dass es uns langweilig würde... Und dann fährt uns auf der Heimreise an einem Fussgängerstreifen jemand hinten auf! Zum Glück ist niemand verletzt, nur ich bin arg erschrocken und das Auto etwas lädiert. Das hätte es nun wirklich nicht gebraucht...

Dienstag, 26. August 2025