Der Nordföhn soll am 17. Juli 2025 der Alpensüdseite einen sonnigen Tag bescheren. Diesmal fahren wir allerdings nicht bis ins Tessin, sondern starten unsere Tour schon im südlichen Misox, also im Kanton Graubünden. Das Misox haben wir ja bisher eigentlich noch recht wenig besucht in unserer Wanderkarriere. Kein Wunder, sind doch hier die Seitentäler wild, und die Touren lang. Auch heute sollen wir über zehn Stunden unterwegs sein. Mit Pausen, versteht sich… Los geht es heute bei Monda in der Gemeinde Grono. Wir laufen auf der Strasse gegen Tecc zu, biegen dann aber kurz davor ab in den Wanderweg, der das Val Leggia erschliesst. Anfangs ein guter und wenig steiler Säumerweg, wird daraus schon bald ein zünftiger Bergweg, der – teilweise steil – erst auf ca. 1000 Metern Höhe in dieses Seitental des Misox hinein biegt. Es scheint, dass seit dem grossen Unwetter vom Juni 2024 im Val Leggia keinerlei Wegarbeiten gemacht wurden. Bei allen Runsen, die wir queren, hat Geschiebe den Wanderweg beschädigt. Problematisch ist das allerdings nirgends. Als weitaus mühsamer zeigt sich hingegen, dass der Weg nicht heraus gmäht ist. So laufen wir schon im unteren Teil durch teils hohes Gras und Farn. Wir kommen dennoch recht gut voran. Man läuft hier durch einen imposanten Kastanienwald. Offensichtlich haben die Altvordern hier die Bäume gepflegt, stehen sie doch alle in recht grossem Abstand zueinander und sind entsprechend mächtig. Kastanienigel liegen zum Glück nur wenige auf dem Weg. Sobald wir ins Val Leggia einbiegen, verschwindet der Bewuchs auf dem Weg, und wir laufen nun deutlich einfacher ins Tal hinein. Ebenfalls verschwindet schlagartig der Lärm von der Autobahn im Tal unten, der uns bis hierher begleitet hat. Bis zur Alp de Comun laufen wir ohne Probleme weiter. Hier soll sich eine bescheidene Übernachtungsmöglichkeit finden. Allerdings steht im nicht abgeschlossenen Teil nur ein altes Eisenbett ohne Matratze oder Decke. Da muss die Not schon sehr gross sein, wenn man hier bleiben will. Möglich, dass es im grösseren Teil des Gebäudes anders aussieht, aber der ist abgeschlossen. Als wir weiter ansteigen, lichtet sich der Wald mehr und mehr. Im hohen Gras ist hier der Weg teils gar nicht mehr auszumachen, hingegen ist er immerhin sporadisch markiert. Bis zur Alp de Mae hinauf ist das Gelände nun aber wenig steil, so dass wir diese Alp – auch sie natürlich längst aufgegeben – problemlos erreichen. Auch hier soll man übernachten können, und an einer Türe hängt sogar eine Hüttenordnung. Nur nützt einem das nichts, weil alle Türen abgeschlossen sind. Jä nu, wir wollen ja eh weiter. Jetzt allerdings fangen die Probleme an. Gemäss Karte soll ein offizieller Wanderweg die Alpen Mae und Lugazzon verbinden. Bei der Alp de Mae findet sich auch ein entsprechender Wegweiser. Aber wo ist der Weg? Wir finden keine Spur davon und bis zum Punkt 2003, wo man ins Val Grono hinüber wechselt, keine einzige Markierung. Und das ist hier sehr problematisch, weil man sich bis zu diesem Punkt mehrheitlich durch eine dichte Erlen- und Legeföhrenflur – alles noch unterlegt mit Alpenrosen und Wacholder - schlagen muss. Ohne eine Spur ist das fast ein Ding der Unmöglichkeit. Dank GPS und auch weil der Weg auf der Karte exakt eingezeichnet ist, finden wir schliesslich den Einstieg in die Legeföhren und kämpfen uns nun – immer einer teilweise kaum mehr sichtbaren Spur folgend – durch diese Flur, bis wir schliesslich die Alp de Lugazzon erreichen. Oft müssen wir unterwegs stehen bleiben, probieren gelegentlich falsche Varianten aus, steigen wieder zurück und verlieren so viel Zeit und Kraft. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir uns durch die Botanik schlagen, aber auf einem eigentlich offiziellen Wanderweg ist uns das so noch nie passiert! Zum Glück sind wir in diese Richtung unterwegs, denn von der Alp de Lugazzon her wäre der Einstieg wahrscheinlich trotz GPS nicht zu finden gewesen, so sehr haben die Erlen hier die Spur wieder zurück erobert. Hinauf zum Punkt 2003 geht es nun etwas leichter, denn die Erlen stehen hier lockerer. Nur gerade für die oberste Traverse muss man den Einstieg punktgenau finden, sonst steht man auch hier auf verlorenem Posten. Ist der Pass erreicht, folgt die grosse Überraschung! Hinunter ins Val Grono scheint der Weg zwar auch nicht heraus gemäht, aber markiert und gut sichtbar zu sein! Schon speziell, dass auf der einen Seite des Passes der Weg gut markiert ist, auf der anderen hingegen gar nicht. Wären zwei verschiedene Gemeinden zuständig, könnte man sich das ja noch einigermassen erklären. Aber beide Täler liegen in der Gemeinde Grono… Wie auch immer, wir sind jedenfalls froh, liegen die Schwierigkeiten jetzt offenbar hinter uns. Nun besteigen wir noch unschwierig den Torrion. Eine durch die Alpenrosen herausgeschnittene Spur leitet uns auf den unscheinbaren Gipfel, der eine tolle Aussicht bietet. Was er nicht bietet, ist Schatten. Und inzwischen ist es doch recht warm, so bleiben wir nicht allzu lange und laufen wieder zurück zu Punkt 2003. Der ist übrigens am Wanderwegweiser auch mit 'Torrion' angeschrieben. Es heissen also scheints sowohl der Gipfel wie auch der Pass 'Torrion'. Wir steigen nun ohne weitere Probleme einer knapp sichtbaren – aber ordentlich gut markierten – Wegspur folgend ab. Bald schon treten wir wieder in den Wald ein, worüber wir inzwischen wegen der Hitze recht froh sind. Nun zeigt sich der Weg deutlich ausgeprägter. Bei der Alp de la Piazza soll es ebenfalls eine Übernachtungsmöglichkeit geben. Und tatsächlich finden wir hier ein hübsches Häuschen – offensichtlich erst kürzlich renoviert – das (fast) alles bietet, was man von einer unbewarteten Berghütte erwarten kann. Hier könnte man es gut für eine Nacht aushalten. Einziges Manko: es gibt weder Leintücher noch Decken auf den Betten. Hier machen wir nochmals eine längere Pause, bevor wir in die Misoxer Hitzeglocke hinunter steigen. Der Weg führt nun bis Moncuch einem sehr steilen Berghang entlang, allerdings ohne nennenswertes Gefälle, so dass wir sehr angenehm leicht und pfotenschonend absteigen. Ab Moncuch wird der Weg nun etwas steiler und steiniger, geht sich bis zur Capella Carmel aber immer noch leicht. Wenn wir zwischendurch mal aus dem Baumschatten treten, erschlägt uns die Hitze inzwischen fast. Ich träume schon von einem Bad in einem Bach, als wir die Kapelle erreichen. Und siehe da, hier plätschert ein Brunnen! Als Wasser-Memme getraue ich mich aber nicht hinein, weil ich ja nicht sehe, wie tief der Brunnen ist. Paul sieht aber, dass ich darin stehen kann und lüpft mich einfach hinein. Das tut gut! Es stört mich noch nicht einmal, dass mir der Wasserstrahl vom Brunnen auf den Rücken strömt! Hier treffen wir übrigens die einzige andere Person unterwegs. Ein Bergläufer kommt von unten angespurtet, trinkt einen Schluck Wasser vom Brunnen und eilt schwuppdiwupp auch schon wieder bergab! Nun wassergekühlt steige ich die letzten 300 Höhenmeter leichter ab. Täten mir doch nur die Pfoten nicht so weh… Die paar Hundert Meter auf dem Talboden zurück zum Auto bringen wir dann trotz der Hitze auch noch geschwind hinter uns. Das war jetzt eine wirklich lange und abwechslungsreiche Tour in einer trotz gutem Wanderwetter und Ferienzeit äusserst einsamen Gegend. Wenn nur die Wege im Val Leggia etwas besser unterhalten wären...