Unteres Furggeli

Es ist schon ein paar Wochen her, dass es zuletzt einen Tag ohne ein einziges Wölkchen am Himmel gab. Am 8. August 2025 ist es nach all den verregneten Wochen wieder mal soweit. Heiss soll es allerdings werden, und so fahren wir schon mit dem ersten Bähnli von Bristen hinauf zur Bergstation Golzern. Ausserdem ist das ja auch eine vielbesuchte Gegend, und wir wollen nicht in Wandererströmen unterwegs sein. Noch im Bergschatten steigen wir hinauf nach Oberchäseren und weiter in Richtung Windgällenhütte. Erst nachdem wir die Felsrippe unterhalb der Widderegg hinter uns gelassen haben, treten wir in den Sonnenschein. Es ist schon jetzt anständig warm, obwohl wir doch früh unterwegs sind und uns auch auf fast 2000 Meter Höhe befinden. Bis zur Windgällenhütte läuft es sich nun angenehme und ohne grosse Steigung. Bei der Alp Bernetsmatt müssen wir durch eine Gruppe Rinder laufen, die sich grad vor dem Durchgang des Zwickdrahtes versammelt haben. Geht aber ohne Probleme! Hingegen will mir vor der Windgällenhütte ein Lama an den Kragen! Es lässt mir keine Ruhe und verfolgt mich immer und immer wieder. Paul versucht es zwar mit den Stöcken auf Distanz zu halten, aber das Vieh ist hartnäckig! Nicht lustig! So sind wir schliesslich froh, die Windgällenhütte zu erreichen, wo dermassen viele Leute herum stehen, dass mich das blöde Tier wohl aus den Augen verliert. Jedenfalls eilen wir schnell hinter die Hütte und steigen nun ein Stück weglos an, damit uns die Lamas nicht sehen. Ich kann ja direkt froh sein, hat sich nur eines der recht grossen Lamaherde dort oben für mich interessiert. Wer weiss, was passiert wäre, wenn sie alle zusammen angerannt gekommen wären! Nun jedenfalls steigen wir in aller Ruhe weiter an und treffen schon bald auf den Alpinwanderweg, der uns zum Unteren Furggeli führen soll. Auf etwas über 2200 Meter Höhe kommen wir in raueres Gelände: vom Stäfelfirn dereinst glatt geschliffene Felsen, Geröll und Kies, alles ist vorhanden. Hat man mal die Gletschermoräne erreicht, wird es nun zünftig steil. Wir steigen in teils lotterigem und blockigem Gelände an, und es wird steiler und steiler. Die letzten paar Höhenmeter sind schon fast verboten stotzig. Dank 4x4 schaffe ich alles alleine. Paul hingegen ist ganz froh um die Fixseile, die dort hängen. Ist das Untere Furggeli erreicht, wird man mit einem tollen Bergpanorama auf beide Seiten des Übergangs belohnt. Überhaupt ist die Aussicht heute gewaltig! Schroffe Gipfel und Gletscher sind allenthalben zu sehen! Wir machen eine kurze Pause und steigen dann nach Westen hin ab. Hier sind nur gerade die obersten paar Höhenmeter sehr steil und mit Seilen ausgestattet. Kein Problem weder für mich noch für Paul. Danach geht es auf meist ordentlichem Weg hinunter, der Oberchäseren zu. Obwohl wir schon ein paar Stunden unterwegs sind, und es inzwischen doch ziemlich warm geworden ist, möchte Paul dennoch nicht gleich wieder zurück zum Bähnli laufen, sondern noch einen Schlenker über die Stockplangge machen um zu schauen, ob der Weg, den er vor 12 Jahren schon mal begangen hat, noch vorhanden ist. Wir schlagen auf ca. 2100 Meter Höhe erst mal einen recht gut sichtbaren Schafweg ein, den wir aber schon nach der ersten Runse wieder verlieren. Bis zum Eigenstock ist nun nicht mehr gar viel von einem Weg vorhanden. Überall sind in den letzten Jahren Rutsche hinunter gegangen, die den Weg wohl völlig zum Verschwinden gebracht haben. Dank des damals aufgezeichneten GPS-Tracks, finden wir uns aber gut – wenn auch mühsam – zurecht. Hat man mal die Schulter nördlich vom Eigenstock erreicht, wird der Weg nun klar sichtbar. Zwar schmal und auch an der einen oder anderen Stelle abgerutscht, bietet er uns dennoch keine ernsthaften Probleme. Hingegen verläuft er schon sehr eindrücklich in diesen brutal steilen Planggen! Schon bald erreichen wir Rigg, wo wir nun auf einen sehr gut sichtbaren und herausgeputzten Weg stossen. Er führt in eindrücklicher Wegführung steil hinunter zur Jagdhütte Dürrwald und weiter zum Weg, der Waldiberg mit Golzeren verbindet. Inzwischen ist es nun schon sehr heiss, und wir sind froh, noch vor der Jagdhütte in den Wald zu treten. Auf weiterhin schönem und gut unterhaltenem Weg erreichen wir schon bald den Wanderweg, der uns zurück zur Bergstation führt. Weil wir schon früh aufgebrochen sind, sind wir jetzt auch schon kurz nach 13 Uhr zurück. Früh genug, dass wir ohne Warterei wieder ins Tal hinunter schweben können. Eine eindrückliche Tour in einem prächtigen Bergpanorama, abwechslungsreich, teils technisch anspruchsvoll und bei herrlichem Sommerwetter! Bloss das Intermezzo mit dem doofen Lama hätte ich nicht gebraucht...

Freitag, 08. August 2025