Letzte Woche haben wir ein paar schöne Tage verpasst, welche gut zum Wandern geeignet gewesen wären. Paul war leider anderweitig beschäftigt… Aber am 24. März 2026 wollen wir den wohl letzten sonnigen Tag vor einem erneuten (und hoffentlich letzten) Wintereinbruch nutzen, um eine noch offene Rechnung zu begleichen. Vor 11 Jahren wollten wir ja einmal das Bützi (oder Bütziflue, Punkt 916 östlich der Seilbahn Brunnen-Urmiberg) übersteigen, sind damals aber im Abstieg von der Flue gescheitert. Damals war ich ja auch noch kein Jahr alt und unerfahren. Heute – nach vielen Jahren Wandererfahrung – müsste das doch wohl zu machen sein. Wir lassen das Auto bei der Talstation der Seilbahn stehen und steigen erst mal hinauf zum Dörfli. Dort blökt uns ein Bauer an, weil ich in der Nähe seiner Schafe nicht an der Leine bin. Aber a) sind die gut eingezäunt, und b) bin ich nicht an ihnen interessiert (sie auch nicht an mir), und c) laufe ich brav hinter Paul her. Warum der Löli dennoch ein Problem damit hat, weiss der Geier… Nun traversieren wir hinüber nach Chraijen, wo der Alpinwanderweg hinauf zum Bützi beginnt. Das Ganze ist bis zum Punkt 916 zwar ziemlich stotzig, aber nicht arg schwierig, nur einmal brauche ich kurz einen Schubs von Paul, um eine allzu hohe Stufe zu überwinden. Der Weg ist allerdings nicht immer so ganz klar, respektive es gibt wohl die eine oder andere Variante. Nun geht es aber nördlich vom Bützi etwa 30 Höhenmeter wieder hinunter, und die haben es in sich. Die ersten anspruchsvollen Meter – ein steiles, schräg abfallendes Felsband - lässt mich Paul noch an der verlängerten Leine gesichert hinunter. Wir meinen schon, die Schlüsselstelle läge nun hinter uns, aber denkste: Nach einem kurzen, schmalen und ausgesetzten Weglein, soll man eine fast senkrechte, mit einem Stahlseil gesicherte Felswand hinunter klettern. Das ist schon für Paul grenzwertig, ist er doch kein Kletterer, aber für mich völlig unmöglich. So gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder wir kehren um, oder Paul schultert mich wieder einmal. Umdrehen lässt ihm sein Grind nicht zu, so packt er mich auf die Schultern und wir klettern diesen ziemlich gefährlichen Abschnitt hinunter. Glücklich, ohne Schäden am Fusse des Felsens angekommen zu sein, glauben wir erneut, dass von hier an wieder normales Wandern angesagt wäre und Paul lässt mich wieder zu Boden. Aber kurz danach geht es grad nochmals fast senkrecht hinunter, diesmal mit einem richtigen Seil und ein paar Eisenbügeln gesichert. Also muss ich nochmals auf seinen Schultern Platz nehmen und wir klettern erneut unter gefühlter Lebensgefahr ab, bis wir schliesslich am nördlichen Fusse des Bützi angekommen sind. Uff, geschafft! Aber Paul hat sich wohl beim Klettern die Muskeln in den Oberschenkeln überdehnt, denn er hat nun wie angerührt den heftigsten Muskelkater! Jä nu, Zähne zusammen beissen und weiter. Der weiter Anstieg hinauf zur Stockflue ist weiterhin ziemlich stotzig und felsig. Gelegentlich brauche ich Pauls Hilfe. Aber gefährlich ist er hier nur mehr kurz vor dem höchsten Punkt der Stockflue, wo Paul nochmals seine Hände braucht, und ich seine Unterstützung eine Leiter hinauf (und beim Abstieg wieder hinunter). Oben machen wir endlich eine Pause. Obwohl das jetzt ja gar nicht mal so weit war, und wir auch nicht wirklich viele Höhenmeter angestiegen sind, sind wir beide ziemlich geschafft. Der Überstieg des Bützi war eigentlich zu viel und zu gefährlich. Paul versichert mir auch hochheilig, dass wir diese Strecke das erste und letzte Mal gegangen sind. Nach der Stockflue folgt – bis wir wieder zurück beim Auto sind – eine nur mehr normale Wanderstrecke. Wir steigen direkt hinauf zu Punkt 1196 und folgen nun dem Wanderweg in Richtung Gottertli. Gelegentlich verlassen wir ihn, um Schneefeldern auszuweichen. Das Gottertli ist ein unscheinbarer Gupf, den es eigentlich nur wegen der dort stehenden Panoramatafel zu besuchen lohnt. Wir steigen dann auch gleich via Egg und auf guten Wegen hinunter zurück zum Dörfli und weiter zur Talstation der Seilbahn. Um halb eins sind wir schon wieder zurück beim Auto. Eine eigentlich kurze, sonnige Tour in einer schönen und steilen Bergflanke. Aber Mannomann, dieses Bützi!