Iswändli

Jetzt soll die stabile Schönwetterlage doch enden. Ab heute – es ist der 13. Juli 2026 - sind Gewitter möglich. Weil es auch immer noch recht heiss werden soll, wollen wir heute eine Tour in bereits anständiger Höhe starten und noch vor dem Mittag wieder zurück sein. Deshalb fahren wir in aller Herrgottsfrühe auf die Klausenpasshöhe. Es ist noch nicht einmal halb sechs – und auch noch gar nicht richtig hell – als wir los laufen. Wir steigen auf einem nicht offiziellen Weg gegen Süden an und sind überrascht, dass der Weg so ausgetreten und sogar markiert ist. Dennoch stellen wir irgendwann fest, dass wir wohl eine Abzweigung verpasst haben und steigen deshalb ein paar Meter weglos zur darüber liegenden Fahrstrasse auf. Dieser folgen wir ein kurzes Stück bergwärts, bis wir schliesslich wieder auf den richtigen Weg stossen. Nun geht es dauernd bergauf, erst auf Sand und Splitt, später immer mehr auf Kies, Schotter und Fels. Am Rau Stöckli ziehen wir westlich vorbei, gelegentlich muss ein kleines Schneefeld gequert werden, bis wir schliesslich gegen halb acht Uhr auf ca. 2870 Meter Höhe das Iswändli erreichen, einen kleinen, in Richtung Norden herunterfliessenden Teil des grossen Hüfifirns. Die Landschaft zeigt sich hier eindrücklich, eine Pause machen wir aber dennoch nicht, da hier ein bissiger Wind bläst. Für ein paar Fotos auf dem Firn reicht es alle weil, bevor wir uns wieder an den Abstieg machen. Dieser erfolgt bis auf ca. 2460 Meter hinunter auf der gleichen Route, die grundsätzlich keine grossen Schwierigkeiten bietet. Hier verlassen wir den Weg und queren weglos zur Einsattelung bei Punkt 2416, wo wir auf ein Wegspur stossen, welche uns unschwierig zum Rau Stöckli hoch leitet. Wir folgen nun dem Tierälpligrat bis zum letzten Steinmannli, wo der Grat dann auch abrupt abfällt. So, hier ist es nun warm genug für eine Pause. Wir lassen das tolle Bergpanorama und den Tiefblick zum Gletschersee im Griess auf uns wirken und freuen uns, dass wir hier oben die Ruhe geniessen können. Währenddessen ist Paul am Studieren, ob wir nicht seeseitig absteigen könnten, statt wieder zurück zum Aufstiegsweg zu laufen. Nach ein bisschen Karten- und Geländestudium – von hier aus sieht man einen Teil eines möglichen Abstiegs ein – laufen wir schliesslich den Tierälpligrat zurück bis wieder zum Punkt 2416, wo wir auf eine Wegspur stossen, welche zum Tierälpli hinunter zu leiten scheint. Dem ist aber nicht so, sie zielt nämlich fast direkt auf den Einschnitt zu, den Paul als Einstieg für einen möglichen Abstieg ausgespäht hat. Zwar verlieren wir die Spur unterwegs, aber der Einschnitt liegt südöstlich eines sehr markanten Felsens, so dass wir ihn leicht finden. Und tatsächlich, ein Abstieg sollte uns hier eigentlich gelingen. Wir sehen sogar eine Spur, der wir – nachdem wir einen Schafzaun überwunden haben – nun folgen. Anfangs recht einfach, wird sie immer stotziger, bis wir sie schliesslich in einem Rutschgebiet ganz verlieren. Nun steigen wir halt weglos und fast in Falllinie direkt ab. Zum Glück ist die Plangge hier nicht mehr gar so steil, so dass uns das möglich ist. Allerdings kommen einmal vor uns Steine von weiter oben herunter gekollert, so dass uns doch nicht so ganz wohl ist dabei. Wir erreichen aber den Wanderweg (hier eine Wanderautobahn mit einigem Volk) ohne Schaden zu nehmen, laufen in aller Ruhe und ohne Panik auszulösen durch eine Schafherde und erreichen schliesslich – zum Schluss noch auf einer Kiesstrasse – kurz nach zehn Uhr wieder den Klausenpass. Hier ist schon die Hölle los, so dass wir uns gleich aus dem Staub machen. Paul hat mir versprochen, dass er die Tour heute kurz halten wird, damit ich mir die Pfoten nicht mehr wund laufe, wie in der letzten Woche im Tessin. Rau genug war der Untergrund unterhalb des Iswändli zwar schon, aber die ganze Tour eben auch kurz genug, dass ich ohne weiteren Pfotenschaden durch komme. Interessant und abwechslungsreich war die Wanderung alle weil!

Montag, 13. Juli 2026