Im März 2025 wollten wir schon mal den Kamor besteigen, sind aber am vielen Schnee gescheitert. Dieses mal – am 22. April 2026 - versuchen wir es einen Monat später. Wir starten wieder bei Geren südwestlich von Plona, peilen nun aber direkt den Kastensattel an, was heisst, dass wir auf der damaligen Abstiegsroute ansteigen. Der Weg ist ansprechend, mässig steil und gut ausgeprägt. Auf ca. 1220 Meter Höhe verlassen wir den bekannten Abschnitt und betreten quasi Neuland. Es geht unschwierig weiter, bis wir den grossen Trichter unterhalb des Kastensattels erreichen. Hier liegt noch Schnee, so dass wir – dem Schnee ausweichend – weit ausholen, um den Sattel zu erreichen. Wir wollen ja eigentlich vor dem Kamor noch kurz auf den Hohen Kasten steigen, aber von der Appenzeller Seite her strömen grössere Massen an Wanderer dem Gipfel entgegen - auf der St. Galler Seite haben wir bisher kein Bein angetroffen - so dass wir den Kasten auslassen und direkt auf der Kantonsgrenze den Kamor besteigen – in diesem Jahr nun schneefrei. Unterwegs sehen wir nicht weit entfernt eine Gruppe von ca. 20 Gämsen, die uns erst neugierig beäugen, um schliesslich doch vor uns Reissaus zu nehmen. Sie laufen dann aber auf der Appenzeller Seite etwas unterhalb des Kamms, so dass wir sie immer wieder sehen. Der Kamor ist schnell erreicht. Zwar hätten wir ihn für uns alleine, aber die Bise bläst hier oben dermassen unangenehm kalt, dass wir gleich wieder weiter laufen und erst bei den Alpgbäuden der Alp Stofel im Windschatten eine wohlverdiente Pause machen. Allzu lange für meinen Geschmack! Wir treffen dort nämlich einen älteren Einheimischen, der aus dem Erzählen gar nicht mehr raus kommt. Für den Abstieg wollen wir wieder einen Teil weglos laufen. Paul entscheidet, dass wir diesmal nicht die Route über Tolenegg nehmen, sondern vom Punkt 1589 aus direkt ostwärts absteigen. Dieser kleine Rücken ist teils recht steil, es finden sich aber immer wieder Weg- oder Wildspuren, die uns gut leiten. Navigatorisch kein Problem, ist dieser Abstieg dennoch nicht so reizvoll wie die Tolenegg-Route. Unterhalb Tolen wechseln wir gegen Winkel hinüber und steigen von dort praktisch in der Falllinie ab, bis wir den nicht immer gut sichtbaren Weg zwischen den Alpen Oberschrend und Stöfeli erreichen. Diesem folgen wir nun bis Stöfeli, wo eine Strasse beginnt, welche uns zurück zum Auto leitet. Eine wirklich schöne Frühlingstour! Ist in den oberen Regionen der Schnee erst gerade verschwunden, spriessen die Blumen und das Gras weiter unten schon recht üppig. Diese Südosthänge zwischen Dürrenegg im Norden und der Gulmenhütte im Süden sind im Frühling schon sehr reizvoll! Steil sind sie allerdings alleweil...